Möglichkeiten für einen abwechslungsreichen Urlaub gibt es in Navarra viele: Aktivtourismus, Entspannung, Kultur und kulinarische Genüsse prägen diese faszinierende Region im Norden Spaniens. Navarra ist eine Region der Kontraste, das sich zu jeder Jahreszeit in einem völlig neuen Gewand präsentiert – von den schneebedeckten Gipfeln der Pyrenäen im Winter über das Aufblühen der Täler im Frühling und die lebhaften Feste des Sommers bis hin zum goldenen Farbenmeer des Herbstes.
Winter: Schneeverzauberte Gipfel und deftige Traditionen
Die Winterzeit in Navarra bedeutet Wintersport, Berge und Schnee. In der majestätischen Schneelandschaft lässt sich hervorragend (Langlauf-) Skifahren, Rodeln, Snowboarden oder Schneeschuhwandern. Die besten Wintersportgebiete liegen in den westlichen Pyrenäen, im Nordosten der Region. Dank der Höhenlage und der Nähe zum Atlantik ist die Schneedecke in den Wintermonaten meist beständig. Besonders beliebt bei Aktivurlaubern sind die Skigebiete Belagua im malerischen Roncal-Tal und Abodi im benachbarten Salazar-Tal.
Entspannung nach einem langen Tag an der frischen Luft findet man in einem der zahlreichen traditionellen Landhäuser („Casas Rurales“). Die ersten dieser gemütlichen Unterkünfte eröffneten bereits 1991 im Roncal- und Salazar-Tal. Heute können Gäste aus über 600 zertifizierten Anbietern wählen, denn Navarra gilt spanienweit als absoluter Vorreiter in Sachen sanfter Landtourismus.

In der winterlichen Stille finden Urlauber zudem ein breites Spektrum an Kultur und Naturerlebnissen. Ein besonders empfehlenswertes Ausflugsziel ist Roncesvalles: Es liegt eingebettet in ein etwa 1000 Hektar großes, urwüchsiges Waldgebiet in den navarrischen Pyrenäen.
Bis zum heutigen Tag dient das monumentale Kloster als geschichtsträchtige Herberge für Pilger des Jakobswegs. Die wuchtigen Mauern der Stiftskirche, die sich im Windschatten des Ibañeta-Passes erheben, bieten verlässlichen Schutz gegen Wind und Wetter und versetzen den Besucher augenblicklich in eine Welt von Schlachten, Mythen und Sagen.
Den Tag lässt man gut mit einem typischen Wintergericht ausklingen: Traditionell serviert man in den Bergen einen deftigen Eintopf aus roten Bohnen mit Chorizo (Paprikawurst) oder Morcilla (Blutwurst mit Reis).
Frühling: Das Erwachen der Natur und die Kraft des Wassers
Wenn der Schnee in den Bergen schmilzt, erwacht Navarra zu neuem Leben. Der Frühling ist die perfekte Jahreszeit, um die spektakulären Naturschauspiele der Region zu erleben, wenn die Flüsse und Wasserfälle ihre maximale Kraft entfalten.
Ein absolutes Highlight ist die Quelle des Flusses Urederra („Nacedero del Urederra“) im Naturpark Urbasa und Andía. Der Name bedeutet auf Baskisch treffend „schönes Wasser“. Auf einem idyllischen Wanderweg spaziert man durch dichte Buchenwälder vorbei an Kaskaden und Becken mit so intensiv türkisblauem, glasklarem Wasser, dass man sich fast in ein tropisches Paradies versetzt fühlt. Da das Ökosystem streng geschützt ist, ist der Zugang limitiert, was den Besuch im ruhigen Frühjahr umso exklusiver macht.
Auch die Täler im Norden, wie das geschützte Baztan-Tal, erstrahlen nun in einem saftigen, fast unwirklichen Grün. Der Frühling lädt dazu ein, die charmanten Dörfer mit ihren herrschaftlichen Steinhäusern und blumengeschmückten Balkonen zu erkunden. In Orten wie Elizondo scheint die Zeit spürbar langsamer zu laufen.
Für Kulturbegeisterte bietet das Frühjahr die Gelegenheit, die feierliche Karwoche (Semana Santa) in den historischen Städten mitzuerleben.

Kulinarisch steht die Jahreszeit ganz im Zeichen des frischen Gemüses aus den Flussauen der Ribera-Region. Jetzt haben die weltberühmten navarrischen Spargel, die zarten Artischocken aus Tudela und die dicken Saubohnen Hochsaison – ein absoluter Traum für Feinschmecker.
Sommer: Lebensfreude, Fiesta und kühle Zufluchtsorte
Der Sommer in Navarra ist untrennbar mit Kultur, Geselligkeit und ausgelassenen Festen verbunden. Das weltweit bekannteste Ereignis ist zweifellos die „Fiesta de San Fermín“ in der Hauptstadt Pamplona, die jedes Jahr vom 6. bis zum 14. Juli stattfindet.
Unter anderem berühmt geworden durch Ernest Hemingway, verwandelt das Fest die historische Stadt in ein weiß-rotes Meer aus Lebensfreude, Musik, traditionellen Tänzen und den weltbekannten morgendlichen Stierläufen.
Doch der Sommer hat auch abseits dieses Trubels viel zu bieten. Viele mittelalterliche Städte wie Olite mit seinem märchenhaften Königspalast veranstalten im Sommer hochkarätige Theater- und Musikfestivals unter freiem Himmel.

Wenn die Temperaturen im Süden steigen, bietet der Norden Navarras angenehm kühle Zufluchtsorte. Die dichten Laubwälder des Irati-Waldes („Selva de Irati“), eines der größten Buchen- und Tannenwälder Europas, spenden wohltuenden Schatten für ausgedehnte Wanderungen oder Mountainbike-Touren.
Wer nach Abkühlung sucht, findet diese auch in den tiefen Schluchten der Region, wie der Foz de Lumbier oder der Foz de Arbayún. Hier haben sich die Flüsse tief in den Kalkstein gegraben und spektakuläre Canyons geschaffen.
Beim Wandern entlang der alten Bahntrasse in der Lumbier-Schlucht kann man direkt über sich die majestätischen Gänsegeier beobachten, die in den steilen Felswänden nisten.
Herbst: Ein Rausch der Farben und die Zeit des Weines
Der Herbst ist für viele Reisende die magischste Zeit in Navarra. Das Klima ist angenehm mild, die Sommerhitze weicht einer klaren Luft, und die Natur verwandelt sich in ein spektakuläres Farbspektakel aus Gold, Orange und Tiefrot. Die beste Kulisse hierfür bietet wiederum die Selva de Irati. Wenn sich das dichte Blätterdach der riesigen Buchen färbt und das sanfte Sonnenlicht durch die Bäume bricht, bietet der Wald eine fast mystische Atmosphäre.
Doch der Herbst ist auch die Zeit der Ernte. Im Süden Navarras, in der traditionsreichen Weinregion rund um Olite, findet im September und Oktober die Weinlese statt. Die endlosen Weinberge erstrahlen in wunderschönen Rottönen und die zahlreichen Bodegas öffnen ihre Pforten für Besucher. Bei Führungen und Verkostungen kann man die hervorragenden Rosé- und Rotweine probieren, oft kombiniert mit herbstlichen Spezialitäten wie Pilzen, Wildgerichten oder den berühmten Piquillo-Paprikaschoten, die jetzt über offenem Feuer geröstet werden.

Ein weiteres herbstliches Phänomen ist die historische „Transhumanz“ Ende September: Ein traditionelles Spektakel, bei dem die Wanderschäfer ihre riesigen Herden aus den kühler werdenden Pyrenäentälern über alte Viehpfade in die weite Halbwüste der Bardenas Reales im Süden treiben.
Die Bardenas Reales selbst, eine bizarre Mondlandschaft aus Lehm und Sandstein, lassen sich im milden Herbstwind wunderbar mit dem Fahrrad oder dem Geländewagen erkunden, ohne der extremen Hitze des Sommers ausgesetzt zu sein.
Ob Wintersportler, Frühlingswanderer, Sommer-Festivalgänger oder herbstlicher Genießer – Navarra beweist, dass es zu jeder Jahreszeit eine faszinierende Reise wert ist.
Titelfoto / Tausende Menschen feiern während der Sanfermín-Tage in den geschmückten Straßen der Altstadt von Pamplona. / Bild: SanFermin / pixabay
Hinweis: Der Beitrag wurde erstmals im Dezember 2011 veröffentlicht, wir haben ihn überarbeitet.












